Kommentar
Opium fürs Volk
von Solon
In unserem Land ist im Moment sehr viel im Argen. Banker scheffeln schon wieder Boni, gleichzeitig muss der Steuerzahler für die Misswirtschaft der Banken gerade stehen. Die Menschen verlieren ihre Jobs, haben Kurzarbeit oder müssen sich überlegen, ob sie auf Gehalt verzichten oder eine Kündigung in Kauf nehmen. Man sollte denken, es brodelt und die Menschen gehen auf die Barrikaden. Und was passiert? Nichts.Woran liegt das? Vor 20 Jahren hat ein Volk es geschafft, auf friedliche Weise Mauern zu Fall zu bringen. Und jetzt? Apathie wohin man schaut. Jeder ist froh, wenn er noch arbeiten darf und hält den Mund. Kann das auf Dauer gut gehen? Die Menschen, die in Führungspositionen sitzen, werden immer reicher und die Mitarbeiter müssen zu sehen, wie sie überleben. Also, was hält die Menschen in diesem Land so ruhig?
Das Opium fürs Volk ist das Fernsehen. Man kommt von einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause oder man hat kein Geld etwas zu machen, weil man arbeitslos ist oder Hartz IV bekommt. Was tut man also? Man schaltet den Fernseher an. Egal ob Kallwass oder Sitcom, Serien laufen den ganzen Tag, jeden Tag. Hat man sich einmal einfangen lassen, hat man verloren. Man klebt vor dem Fernseher fest und wird mit seichter Kost eingelullt. Denken ist nicht mehr notwendig, das ist sogar kontraproduktiv, denn wer das macht, schaut kein Fernsehen mehr. Die Menschen in diesem Land werden auf die einfachste und effektivste Weise ruhig gestellt, sie werden mit nichts sagenden Serien zugedröhnt und ergeben sich in ihr Schicksal.
Opium für mehr als 80 Millionen Einwohner wäre teuer, Serien sind dagegen günstig. Und so effektiv. Die Menschen haben verlernt, sich zusammen zu schließen und gemeinsam gegen Unrecht zu kämpfen. Montagsdemonstrationen sind Geschichte, aber wie wäre es denn jetzt mit Mittwochsdemonstationen?


